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Am Freitag den 23.03.2012 nahmen über 100 ehemalige Stipendiaten des DAAD aus Usbekistan sowie circa 30 geladene Gäste und Vortragende an dem Alumnitreffen des DAAD an der Turiner Polytechnischen Universität teil. Als Ehrengäste und Eröffnungsredner konnten der stellvertretende Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Herr Fraider, S.E. und Norbert Jousten, Botschafter der Europäischen Delegation und sowie Vertreter von usbekischen Universitäten und Hochschulen des Landes und der Zentrale des DAAD in Bonn begrüßt werden.
Im Kontext der Veranstaltung, welche zur Vernetzung und Kommunikation der DAAD-Alumnis aus unterschiedlichen Fachbereichen untereinander diente, wurden sowohl Plenarvorträge als auch unterschiedliche Arbeitsgruppen angeboten. Gastredner wie Prof. Rothfuss, Rektor der IB-Hochschule in Berlin („Die Funktion von Literatur als Nationen- und sprachenübergreifendes Element von Bildung am Beispiel von Hermann Hesse), Prof. Ebner von der Goethe-Universität Frankfurt am Main („Entrepreneurship und Innovation im Prozess wirtschaftlicher Entwicklungen“), Dr. Kaiser, DAAD Langzeitdozent OSCE Akademie Bischkek („Knowledge in Development - Relevanz von Wissen“), Herr Schlicht vom Bundesministerium für Bildung und Forschung („Die Strategie der Bundesregierung zur Internationalsierung von Wissenschaft und Forschung: Ziele Hintergründe und Chancen für die Zusammenarbeit mit Zentralasien“) sowie Prof. Mirzaev von der Akademie der Wissenschaften („Hochschulkooperationen und Wissenschaftleraustausch mit Europa - Möglichkeiten, Ziele und Tendenzen“) präsentierten in ihren Vorträgen zu diesen so unterschiedlichen Themen Informationen und Impulse für das gesamte Plenum, mit denen sich die Teilnehmer in den anschließenden Diskussionen weitergehend auseinandersetzen konnten.
Im Anschluss wurde die Arbeit in Form von fachbezogenen Kurzvorträgen und Gesprächen in den fünf Arbeitsgruppen zu Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin; Germanistik; Sozialwissenschaften; Wirtschaftswissenschaften und Agrarwissenschaften fortgesetzt.
In der ersten Gruppe zum Thema Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin mit der Referentin Dr. S. Polyarush von der Akademie der Wissenschaften wurden „Molekulare Techniken und den Naturwissenschaften“ näher beleuchtet. Dazu Teilnehmerin Dilobar Mirrakhimova auf die Frage, was ihr am Thema ihres Workshops am besten gefallen hat: „Es gab eine Menge interessante Neuigkeiten. In meinem Spezialgebiet in der Medizin wurden die Verbindungen mit anderen Bereichen wie Biochemie, Pharmazie, Nanotechnologie und sogar Physik beleuchtet, die neue Perspektiven für die Medizin aufzeigen. Der Austausch von Wissenschaftlern zwischen diesen Fachbereichen ist meiner Meinung nach essentiell.“
Germanistik, die zweite fachbezogene Arbeitsgruppe, stand unter dem Thema „Schreiben in der fremden Wissenschaftssprache Deutsch“ unter der Leitung von Dr. Elisabeth Venohr, Leiterin des DAAD Informationszentrums in Tbilissi. Auf die Frage, was sie aus der Arbeitsgruppe für ihren Unterricht an der Universität oder für ihr eigenes wissenschaftliches Arbeiten mitnehmen kann, antwortete Dilorom Ismatillaeva: „Ich habe festgestellt, dass viele Forschungsthemen oft zu allgemein gestellt sind und einen sehr globalen Ansatz verfolgen. Dabei ist eine konkrete Fragestellung und ein Fokus sehr wichtig um beispielsweise die Ergebnisse in einem wissenschaftlichen Artikel für andere zugänglich zu machen. Auch zum wissenschaftlichen Stil im Deutschen, beispielsweise zum Nominalstil sowie zum Gebrauch von speziellen Fremdwörtern konnte ich dazu lernen.“
Zur Thematik „Wozu und zu welchem Ende betreiben wir Sozialwissenschaften?“ arbeitete die dritte Gruppe zum Fachbereich Sozialwissenschaften mit einem Impulsvortrag von Dr. Markus Kaiser. Die Teilnehmerin Tamilla Tagieva beschreibt den Unterschied zwischen den Sozialwissenschaften und Deutschland und Usbekistan als besonders eindrücklich: „Ich habe den Eindruck, dass die Diskussion in Deutschland grundsätzlich von einer kritischeren Herangehensweise geprägt ist, vielleicht auch auf Grund der langen Geschichte von Sozialwissenschaften und sozialem Denken als akademisches Fach.“ Zusätzlich bemerkte sie: „Neben den fachbezogenen Beiträgen hat mir besonders der Vortrag über Hermann Hesse gefallen, sein Ausspruch „Sei wie du bist“ hat mir in gewisser Weise einige Verhaltensweisen meiner Kommilitonen an der Universität Kassel erläutert und näher gebracht.“
„Die Integration Usbekistans in die internationale Wirtschaftsgemeinschaft“ lautete der Titel des von Dr. Omonullokhon Akhmedov geleiteten vierten Workshops der Wirtschaftswissenschaften. Auf die Frage, was er an Neuigkeiten über die wirtschaftliche Kooperation von Usbekistan und Deutschland von dem Alumnitreffen mitnehmen könne, antwortete er: „Der Erfahrungsaustausch mit Deutschland in Bezug auf die ökonomische Integration der EU ist eine wichtige Sache für Usbekistan, das bei in einer eventuellen zukünftigen Integration der zentralasiatischen Länder in die wirtschaftliche Union von Russland, Weißrussland und Kasachstan ein Rolle spielen möchte. Zusätzlich dazu begrüße ich sehr die Kooperation der deutschen und usbekischen Universitäten im Bereich Businessinkubation und hoffe auf eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit in den Bereichen Bankwesen, Leichtindustrie und ökologisches Management.“
In der fünften Arbeitsgruppe, den Agrarwissenschaften, wurde die Frage nach „Klimawandel in Zentralasien - Beispiele für alternative Einnahmequellen für die Bewohner der usbekischen Provinzen“ erläutert. Als besonders eindrücklich schildert Shavkat Hasanov ein Beispielprojekt von UNDP am Aralsee. Die Menschen dieser Region waren mal Fischer, nun müssen sie sich an komplett veränderte Umwelt– und Lebensbedingungen gewöhnen. Vor dem Beginn des Projekts wurde hauptsächliche nicht nachhaltige Beweidung durch Schafe betrieben. Nun gibt es alternativ Grundlagen für eine Landwirtschaft, die mit von Beginn an nachhaltigen Methoden betrieben wird und auf einer elementar neue Herangehensweise basiert. In diesem Projekt können die ehemaligen Fischer zusätzlich auch Wissen über Entrepreneurship erlernen, also ein ganzheitlicher Ansatz, der hoffentlich auf andere Regionen übertragen werden kann.“
Insgesamt bestätigte Dr. Ubaydulla Nadirkhanov, Wissenschaftler an der Aralseestiftung in Usbekistan, dass er beim diesjährigen Alumnitreffen viele Kollegen getroffen habe, die er zum letzen Mal beim Treffen 2005 gesehen habe und zusätzlich viele neue Gesichter in seinem Fachbereich kennenlernen konnte. Die Programmteil der Veranstaltung endete mit Hinweisen und Neuigkeiten zum Aluminprogramm des DAAD und der Arbeit des Alumnivereins in Usbekistan. Der anschließende Empfang, bei dem die Gäste und Alumnis auch die Möglichkeit hatten, sich mit den DAAD-Lektoren aus der gesamten Region Kaukasus und Zentralasien auszutauschen, bildete einen gelungenen Abschluss des Alumnitreffens 2012. |